Warum wir auf die Strasse gehen

Am Samstag, 20. Mai 2017 hat in Basel zum dritten Mal der „March against Syngenta und Monsanto“ stattgefunden. Ich war schon letztes Jahr am March mit dabei und bin auch diesmal wieder auf die Strasse gegangen – mit über 1’500 bis 2’000 weiteren Personen.

IMG_2180
Demo gegen Syngenta in Basel

Diesmal ist nicht nur meine Freundin als Biene verkleidet, sondern auch ich habe mir ein entsprechendes Outfit zugelegt, um auf das weltweite Bienensterben aufmerksam zu machen.

March against Syngenta
Syngenta wurde an ChemChina verkauft

Mitten auf der Wettsteinbrücke legte sich der gesamte Demonstrationszug auf den Boden und gedachte in völliger Stille den Opfern von Pestiziden und Konzernwillkür. Wir konnten sogar die Vögel zwitschern hören.

IMG_2169

Einige wenige Grosskonzerne wie Monsanto, Syngenta, Bayer, BASF und DuPont/Dow dominieren den globalen Markt für Saatgut und Pestizide. Die Forderungen der Demo sind klar:

  • Stoppt Pestizide – Für eine giftfreie Landwirtschaft und Umwelt!
  • Stoppt Agrogentechnik – Für eine ökologische, vielfältige und kleinbäuerliche Landwirtschaft!
  • Stoppt Patente auf Leben – Für den Erhalt und die Weiterentwicklung der traditionellen, samenfesten Saatgutvielfalt!
  • Stoppt die Dominanz der Agrokonzerne bei Gesetzgebungen und Freihandelsabkommen – Für fairen Handel und Ernährungssouveränität!
  • Stoppt die Unterwerfung der Ernährung unter die Profitlogik  – Für eine faire regionale Landwirtschaft, die der Ernährung dient!
March agains Syngenta
Junge Demonstration, als Biene verkleidet
Advertisements

Informatives Buch: Food Crash

Das Buch „Food Crash – wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr“ von Felix zu Löwenstein hat mir sehr gut gefallen. Er schildert viele persönliche Beispiele, die das Buch anschaulich machen. Zudem stützt er seine Aussagen auf wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Der Autor stellt kritische Fragen, die ich Euch gerne mit den Antworten wiedergeben möchte.

Ist das Welternährungsproblem tatsächlich ein Produktivitätsproblem?

Felix zu Löwenstein sieht andere Gründe wie z.B.

  • Degradation durch falschen Ackerbau, Überweidung, Entwaldung, Versalzung der Böden > Verlust zwischen 1950 und 1990 von einem Drittel der fruchtbaren Böden weltweit!
  • Die Grasfresser Rind und Schaf wurden vom Nahrungspartner, der für die unmittelbare Produktion menschlicher Lebensmittel ungeeignete Grünlandflächen in Fleisch und Milch umwandelt, zum Nahrungskonkurrenten des Menschen. Dies deshalb, weil wir Futterpflanzen für die Tiere anbauen, anstatt Nahrungspflanzen für uns.
  • Unser Fleischkonsum muss reduziert und schwerpunktmässig auf Fleisch umgelenkt werden, das auf Grünland erzeugt wurde – also auf Flächen, auf denen keine Nahrungskonkurrenz zum Menschen stattfindet.
  • Food Waste > dies könnte durch sorgfältige Planung und Nutzung der Lebensmittel vermieden werden.

So ist das Fazit nicht überraschend: Nicht die Produktivität der Fläche ist der entscheidende Faktor für die Unterernährung einer Milliarde Menschen, sondern soziale und wirtschaftliche Missstände, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Lebensstil eines Teiles der Weltbevölkerung, der für sich einen unverhältnismässig hohen Anteil der Ressourcen dieser Erde in Anspruch nimmt!

Humus zur Bekämpfung des Klimawandels

Seit Beginn der modernen Landwirtschaft im 19. Jahrhundert wurde der Humusgehalt in unseren Böden dramatisch verringert. Es gibt viele Untersuchungen, die zeigen, wie es durch die Umstellung auf ökologischen Landbau zum Aufbau von Humus und damit zur Bindung von CO2 kommt.

Was kann ich tun?

Ich finde es immer gut, wenn den Leserinnen und Lesern konkrete Tipps an die Hand gegeben werden, was wir selber tun können. Felix zu Löwenstein macht genau dies in seinem letzten Kapitel. Er schlägt folgendes vor:

  1. Kaufen Sie Bio-Lebensmittel
  2. Kaufen Sie regional und saisonal
  3. Werden Sie selbst zum Erzeuger – sei es auf dem Fensterbrett oder bei einer Urban Agriculture Initiative
  4. „Eat Food“, soll heissen: vermehrt landwirtschaftliche Produkte wie Kartoffeln, Gemüse, Früchte, Fleisch, Eier, Milch selber verarbeiten anstatt fixfertige Menüs zu kaufen
  5. Weniger Fleisch essen, da Fleisch ein sehr CO2-intensiver Rohstoff ist
  6. Nachhaltigen Fisch kaufen

Felix zu Löwenstein - Autor von Food Crash
Felix zu Löwenstein – Autor von Food Crash
Wer noch mehr wissen möchte: Bei Bio Suisse ist kürzlich ein Interview mit Dr. Felix Prinz zu Löwenstein erschienen.

Rund um die ganze Welt…

…macht Syngenta Gift zu Geld! Dies war nur eine der Parolen, die am Samstag, 21. Mai 2016 in Basel zu hören war. Weltweit nahmen Millionen Menschen am „March against Monsanto“ statt. In Basel protestierten über 2’000 Personen an der bewilligten Demo gegen Monsanto und Syngenta, die ihren Hauptsitz in Basel hat. Die Forderungen sind klar: Stopp von Pestiziden, gentechnisch verändertem Saatgut und der Patentierung von Saatgut durch die Agromultis.

Für mich war dies die erste Demo überhaupt. Der Marsch war friedlich, farbenfroh und laut. Vor mir läuft eine junge Frau, barfuss, mit Federn im Haar, sie schiebt einen Kinderwagen. Etwas weiter vorne sehe ich ein älteres Paar, sie trägt ein Haarnetz, beide halten selber gebastelte Schilder in den Händen: „Für Wasser ohne Gift“. Meine Freundin läuft als Biene verkleidet neben mir – damit macht sie mit vielen anderen Teilnehmenden darauf aufmerksam, dass Syngenta eine Mitverantwortung für das Bienensterben trägt.

Am Marktplatz werden alle Protestierenden symbolisch mit Glyphosat eingespritzt. Die Wirkung des Pestizids zwingt uns in die Knie und so liegen wir auf der Strasse vor dem Rathaus. Auf dem Messeplatz lauschen wir der Rede von Florianne Köchlin, Biologin und Chemikerin. Der Marsch endet vor dem Hauptsitz der Syngenta, einer der grössten Konzerne im Agrargeschäft.

Der Basler Marsch wurde von mehr als 50 Organisationen unterstützt, darunter Greenpeace, Occupy und Pro Natura.